Topkapı-Palast
Der Löffelmacher-Diamant auf karmesinrotem Samt in einer gedämpft beleuchteten Vitrine.
Schatzkammer

Die kaiserliche Schatzkammer: unbezahlbare Schätze des Osmanischen Reiches

Vier Jahrhunderte Kriegsbeute, diplomatische Geschenke und Werkstattarbeiten, im Pavillon des Eroberers als Enderun Hazine verwahrt — das Vermögen der Dynastie, unter strengster Kontrolle.

Die kaiserliche Schatzkammer ist eine der reichsten Sammlungen ihrer Art weltweit. Sie befindet sich im Fatih-Pavillon, dem Pavillon des Eroberers, im dritten Hof des Topkapı-Palastes — ursprünglich private Empfangsräume aus der Zeit Mehmeds II., die später zum sicheren Depot für den wertvollsten Besitz der Dynastie wurden.

Jahrhundertelang war dies die Innere Schatzkammer, das „Enderun Hazine“: das persönliche und dynastische Vermögen des Sultans unter strengster Aufsicht. Über mehr als 400 Jahre sammelten sich hier Kriegsbeute, diplomatische Geschenke, Arbeiten der Palastwerkstätten sowie ererbte und erworbene Stücke. Nachdem der Palast 1924 Museum geworden war, wurden ausgewählte Meisterwerke öffentlich gezeigt. Die Räume sind verhältnismäßig klein und oft voll; die berühmtesten Objekte stehen unter gezieltem Licht in gesicherten Vitrinen.

Im Folgenden die wichtigsten Schätze und wertvollen Objekte, die üblicherweise ausgestellt sind, einzeln beschrieben.

Der Löffelmacher-Diamant

Ein 86-karätiger Diamant in Tropfenschliff, einer der größten öffentlich gezeigten Diamanten überhaupt. Er ist in Silber gefasst und von einer doppelten Reihe aus 49 kleineren Diamanten umgeben. Seine genaue Herkunft ist unbekannt und von Legenden umrankt; eine verbreitete Erzählung will, dass ein armer Mann ihn fand und gegen drei Holzlöffel eintauschte. Im 17. Jahrhundert lag er bereits in der osmanischen Schatzkammer; seine heutige Fassung erhielt er im frühen 19. Jahrhundert. Er ist der unbestrittene Star der Sammlung.

Der Topkapı-Dolch

Ein zeremonieller Krummdolch, entstanden um 1746/47. Der Griff trägt drei sehr große Smaragde; ein vierter Smaragd am Knauf verbirgt eine kleine, funktionierende Uhr. Die Scheide ist reich mit Diamanten und Email verziert. Sultan Mahmud I. gab ihn als diplomatisches Geschenk für Nadir Schah von Persien in Auftrag; wegen dessen Ermordung wurde er nie übergeben. Er kehrte in die osmanische Schatzkammer zurück und wurde durch den Film „Topkapi“ von 1964 weltberühmt.

Der goldene Festthron (Bayram / Arife)

Ein Zeremonialthron aus massivem Gold, den die Sultane bei Thronbesteigungen und hohen religiösen Festen benutzten. Er ist einer der schwersten und prächtigsten Throne der Sammlung und verkörpert den Glanz der Dynastie bei Staatsanlässen.

Der Thron Nadir Schahs (persisch-indischer Thron)

Ein kunstvoll verzierter Thron iranisch-indischer Herkunft, überzogen mit Gold, Perlen, Smaragden, Rubinen und anderen Edelsteinen. Nadir Schah von Persien überreichte ihn Sultan Mahmud I. im Rahmen jenes diplomatischen Geschenkaustauschs Mitte des 18. Jahrhunderts, aus dem auch der Topkapı-Dolch hervorging.

Der Thron Ahmeds I.

Ein prachtvoller Thron mit Einlagen aus Perlmutt und Schildpatt, entworfen von Sedefkâr Mehmed Ağa, dem Baumeister der Blauen Moschee. Er zählt zu den feinsten Beispielen osmanischer Einlegearbeit.

Smaragdene Reiherbüsche (Sorguç)

Juwelenbesetzte Federbüsche und Turbanschmuck der Sultane. Diese mit großen Smaragden, Diamanten, Rubinen und Perlen besetzten Aigretten waren wichtige Zeichen der Herrschaft und wurden zu feierlichen Anlässen getragen.

Die goldene Wiege

Eine Wiege aus reinem Gold für neugeborene osmanische Prinzen, die „Şehzade“. Sie versinnbildlicht die Fortdauer der Dynastie und den außerordentlichen Luxus rund um kaiserliche Geburten.

Zeremonielle und historische Schwerter

Das Schwert Mehmeds des Eroberers

Das Zeremonialschwert Süleymans des Prächtigen, oft an seinem eigentümlichen Griff zu erkennen

Weitere juwelenbesetzte oder mit Inschriften versehene Schwerter verschiedener Sultane; diese Waffen verbinden militärische Sinnbildlichkeit mit herausragender Handwerkskunst.

Gold- und juwelenbesetzte Gegenstände

Eine breite Auswahl von Luxusgütern aus den Palastwerkstätten oder aus Geschenken, darunter:

Goldene Flaschen und Gefäße mit Smaragden, Rubinen und Perlen

Goldene Schreibkästen und Schreibgarnituren

Juwelenbesetzte Leuchter und Weihrauchgefäße

Emaillierte und diamantbesetzte Anhänger und Schmuckstücke, von denen manche den Namenszug eines Sultans, die „Tuğra“, tragen

Weitere bemerkenswerte Schätze

Zeremonialrüstungen und Helme

Kostbare Uhren und wissenschaftliche Instrumente, europäischer wie osmanischer Herkunft

Gold- und Silbergeschirr sowie Konfektgarnituren

Seltene Handschriften und illuminierte Blätter, gelegentlich im Zusammenhang der Schatzkammer gezeigt

Verschiedene Kriegstrophäen und diplomatische Geschenke aus Persien, Indien und Europa

Die Sammlung der kaiserlichen Schatzkammer zeigt insgesamt den ungeheuren Reichtum des Osmanischen Reiches, das Können seiner Hofhandwerker und die Rolle von Luxusgegenständen in Diplomatie und Zeremoniell. Von den Tausenden Stücken, die die Schatzkammer einst barg, ist immer nur eine Auswahl zu sehen; die oben genannten bilden den Kern dessen, was Besucher heute erleben. Der Löffelmacher-Diamant und der Topkapı-Dolch bleiben die beiden Objekte, die fast jeder Besucher gezielt sucht.

Von der Seite in den Palast

Über Geschichte zu lesen ist nur der Anfang. Buchen Sie Ihren Besuch und gehen Sie durch dieselben Korridore wie die Sultane.